Freitag, 23. März 2018

Achtsamkeit im Familienalltag mit Babys und Kleinkindern. Teil 1: Achtsames Vorlesen


Achtsamkeit im Familienalltag mit Babys und Kleinkindern. Teil 1: Achtsames VorlesenHabt ihr eigentlich auch manchmal das Gefühl, dass ihr im Alltag mit kleinen Kindern nur hin- und herrennt zwischen Wäschebergen, Wutanfällen und Wickeltisch? Manchmal wünschte ich mir echt Krakenarme, um hier zu trösten, dort aufzuwischen, Kleinteile aus dem Mund zu operieren und am besten gleichzeitig noch den verschwundenen Lieblingshasen zu suchen… Dabei nehme ich mir doch immer wieder fest vor, mich nicht zu stressen, die Zeit mit meinen Kindern zu genießen, im Hier und Jetzt zu leben. Das Zauberwort für eine solche Einstellung ist ja auch gerade total in und in aller Munde: Achtsamkeit. Nur, einfach nur vornehmen reicht da (zumindest bei mir) einfach nicht. Klar, ich könnte morgens vor den Kindern aufstehen oder abends nach ihnen ins Bett gehen und meditieren. Ist sicherlich auch ganz toll… aber eigentlich möchte ich ja die Achtsamkeit wirklich in jedem Moment in unseren Familienalltag integrieren. Deshalb möchte ich in den nächsten Wochen gezielt ein paar typische Situationen aus unserem  Familienalltag unter die Lupe nehmen und schauen, wie wir die achtsam(er) gestalten können. In diesem ersten Teil geht es erstmal ganz einfach los: Mit dem Vorlesen.

Vorlesen und Achtsamkeit – (Wie) passt das zusammen?

Warum ich denke, dass das mit dem achtsamen Vorlesen (relativ) einfach für mich sein könnte? Na ja, Achtsamkeit bedeutet ja, dass man ganz im Hier und Jetzt ist und diesen Moment ganz bewusst, intensiv und unmittelbar erlebt. Also im Umkehrschluss, dass man nicht, während man sich mit einem Kind unterhält noch nebenbei das andere Kind wickelt und im Kopf schon das Abendessen plant. 

Achtsamkeit im Familienalltag mit Babys und Kleinkindern. Teil 1: Achtsames Vorlesen
Klar, solches Multitasking ist – im Familienalltag und auch sonst im Leben - manchmal praktisch. Aber es führt eben auch dazu, dass man ständig gestresst ist und eben nicht das Gefühl hat, die Zeit mit den Kindern wirklich zu genießen. Und auch die Kinder (zumindest meine) lassen mich solche Unaufmerksamkeiten schnell spüren – oft, indem sie dann irgendwann noch mehr Aufmerksamkeit einfordern und ich noch gestresster bin…

Beim Vorlesen dagegen passiert mir das seltener. Ich will jetzt nicht behaupten, dass ich noch nie, während ich zum 75. Mal in Folge dieselbe Bobo-Geschichte vorgelesen habe (die sowohl ich als auch meine Tochter ohnehin längst auswendig kennen), schon im Geiste das Abendbrot geplant habe, und selbst den Kleinen gewickelt habe ich dabei ehrlich gesagt schon. Aber eigentlich genießen meine Tochter und ich das Vorlesen sehr, und bin in den allermeisten Fällen auch wirklich aufmerksam dabei 😉.

Das Vorlesen bei uns im Familienalltag

Vorlesen und gemeinsames Anschauen von Büchern ist für uns beide eine tolle Möglichkeit, im Alltag mal kurz runter zu kommen, ein wenig zu kuscheln, etwas bewusst zusammen zu machen. Demensprechend gibt es immer mal wieder zwischendurch Vorlesephasen, und dann abends vor dem Einschlafen darf unsere Tochter sich nochmal drei Bücher zum Vorlesen im Bett aussuchen.

Unsere Tochter hat da schon ganz feste Vorstellungen, was die Themen und die Gestaltung der Bilder angeht. In unserer Bücherei, wo die Kleinkindbücher in großen Kisten stehen, sodass die Kinder sie selbst anschauen und auswählen können, sieht man das ganz deutlich. Noch ohne die Geschichte überhaupt zu kennen, hat meine Tochter schon anhand der Bilder eine sehr genaue Vorstellung, ob sie ein Buch gerne ausleihen möchte, oder nicht. 

Und bei den Büchern, die wir zu Hause haben, die sie also bereits kennt, hat sie sehr genaue Vorstellungen, welches Buch sie wann lesen möchte. So kann es durchaus mal sein, dass sie ein bestimmtes Buch Wochen lang ausschließlich  lesen möchte, und dann wieder eine Zeitlang überhaupt nicht… Im Moment sind ja bei uns noch die Bücherrund um die Themen Frühling und Ostern sehr beliebt. Und unsere liebstenBuchreihen habe ich ja bereits in diesem Artikel vorgestellt.

Tipps und Tricks zum achtsamen Vorlesen

Okay, also die passenden Bücher haben wir, Kind und Erwachsene sind vorlesewillig – wie bekommt man das jetzt also mit dem achtsamen Vorlesen hin? Klar, am besten das Abendbrot vorbereiten, das Baby vorher wickeln und dann beschäftigen… Haha. Wenn ich versuchen würde, alles vorher zu erledigen, was noch irgendwie getan werde muss, und sämtliche mögliche Störungen schon im Vorfeld auszuschließen, würde ich nie zum Vorlesen kommen. Stattdessen versuche ich, mich ganz auf das Vorlesen bzw. Erzählen einzulassen, ganz bei der Sache zu sein. Dabei helfen mir die folgenden „Tricks“:

  • Langsam lesen, dafür bewusst die Wörter aussprechen (also z.B. auch die Endungen von Wörtern, die ich sonst gerne mal verschlucke), nach jedem Satz eine (kurze) Pause machen
  • verschiedene Stimmen für die Charaktere bzw. den Erzähler annehmen
  • die Emotionen der Charaktere wirklich nachspielen
  • richtig betonen, Sprechrhythmus und -geschwindigkeit variieren
  • passend zur Geschichte auf die entsprechenden Bilder zeigen, bzw. das Kind auf die Bilder zeigen lassen (ggf. nachfragen, z.B. Siehst du den Raben, die Blume, etc.?)
  • manchmal Wörter weglassen, die das Kind dann ergänzt (vor allem Hauptwörter wie Nomen oder Verben, bei Reimen das Reimwort), bzw. den Satz vervollständigen lassen
  • Kind einbeziehen, z.B. „Ach schau mal, der Junge hat ja auch eine rote Jacke, so wie du.“  Oder „Schau mal, die Kinder sind auf dem Spielplatz. Was spielst du denn gerne auf dem Spielplatz?“
  • Kind beobachten: Was macht das Kind? Wie ist seine Köperhaltung / Körpersprache? Ist es aufmerksam? Entspannt? Möchte es aktiv mitmachen, oder lieber nur zuhören?
  • Nicht urteilen: Damit ist nicht nur das „oberflächliche“ urteilen (z.B. „Oh man, das Kind ist aber viel zu zappelig.“ Oder „Boah, ich kann ja noch nicht mal so ein Kinderbuch „richtig“ vorlesen“, oder auch: „Dieses Buch ist echt ätzend…“) gemeint, sondern auch das urteilen über das urteilen (z.B. „Oh nein, jetzt bin ich schon wieder geurteilt.“). Die Idee bei der Achtsamkeit ist es nämlich, dass man sich selbst nicht zensiert, und nicht an den Gedanken festhält, sondern sie einfach akzeptiert und vorbeiziehen lässt.

Fazit

Achtsamkeit im Familienalltag mit Babys und Kleinkindern. Teil 1: Achtsames VorlesenTja, wie gesagt, eigentlich lese ich  total gerne vor, und es ist für mich eine tolle Gelegenheit, im Alltag ein wenig zur Ruhe zu kommen und achtsame Momente mit meinen Kindern zu erleben… Tja, und was die Sache mit dem Abschweifen und dem Urteilen angeht- es ist ja ein Prozess, die Sache mit der Achtsamkeit… 


Habt ihr weitere Tipps und Erfahrungen zum (achtsamen) Vorlesen? Oder habt ihr andere Beispiele, wie und wo man den Familienalltag mit kleinen Kindern achtsam(er) gestalten kann? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!


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Mehr Tipps und Infos rund um das Thema Vorlesen gibt es übrigens auch bei der tollen Blogparade #vorlesefieber der lieben Eliane von Mint & Malve, an der ich mich mit diesem Beitrag gerne beteilige.

1 Kommentar:

  1. Liebe Anne, ein wirklich toller Artikel! Wäre echt perfekt gewesen für die Blogparade #vorlesefieber bei MINT & MALVE. Ich hoffe also sehr, dass du bis zum 23. Mai nochmal was zum Thema Kinderbücher schreibst. Würd mich so freuen, wenn du dabei wärst! Habe den Beitrag gerne auf Pinterest geteilt, Facebook hole ich noch nach. Herzliche Grüsse, Eliane (Und hier noch der Link zur Blogparade, falls es die eine oder den anderen interessiert: https://www.mintundmalve.ch/single-post/2018/04/11/blogparade-im-vorlesefieber-vorlesetag)

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