Donnerstag, 8. Juni 2017

Was ich an meinem Kleinkind bewundere. Oder: Meine Tochter mit 34 Monaten


Im hier und jetzt, bei sich, voller Phantasie: Was ich von meinem Kleinkind lernen kann
Manchmal ist sie schon sooo groß, will und kann alles „alleine machen“ – und dann wieder ganz klein, möchte am liebsten gefüttert, gewickelt und getragen werden… Manchmal bringt sie mich mit ihren Stimmungsschwankungen und Weinattacken zur Verzweiflung – und dann wieder könnte ich sie ununterbrochen beobachten und ihr zuhören mit ihrer riesigen Energie und den verrückten Ideen.

Nachdem ich ja vor kurzem bereits von der Entwicklung unseres Babysohnes mit 3 Monaten berichtet habe, ist nun meine große Tochter dran. Anstatt euch dabei damit zu nerven, was sie alles schon kann oder auch nicht kann, möchte ich die tolle Blogparade #Kindereigenschaften - 3 Dinge, um die ichmeine Kinder beneide von ideas4parents zum Anlass nehmen, über mein kleines großes Mädchen zu schreiben. Dabei soll es nicht darum gehen, was sie schon kann oder auch nicht kann, sondern was ich an ihr bewundere und von ihr lernen kann:
  • im Hier und Jetzt zu leben,
  • ihre Phantasie,
  • ganz bei sich zu sein.


Im Hier und Jetzt 

Ganz ohne Meditation, schlaue Ratgeber und Zen-Kloster-Bootcamps schafft meine Tochter es, voll und ganz im gegenwärtigen Moment zu leben. So langsam verfeinert sie zwar auch ihre Vorstellung von Vergangenheit (wird übrigens immer mit „gestern“ bezeichnet, egal, ob es 1 Tag, eine Stunde, oder einen Monat her ist) und Zukunft (wird passenderweise immer mit „morgen“ bezeichnet). Aber das ist für sie eigentlich nicht so wirklich relevant.



Im hier und jetzt, bei sich, voller Phantasie: Was ich von meinem Kleinkind lernen kannSie erinnert sich natürlich an Vergangenes, grübelt aber nicht im Sinne von „hätte ich doch“ darüber nach, wie ich das von mir so gut kenne. Auch nachtragend ist sie dadurch überhaupt nicht. So heftig ihre Wut und Trauer in einem Moment auch ist, wenig später ist das ganze zwar sicherlich nicht vergessen, aber einfach nicht mehr relevant.

Ähnlich ist das bei zukünftigen Ereignissen: Sie äußert zwar, wenn sie etwas in der Zukunft möchte oder nicht möchte – und oft weiß sie das selbst nicht so genau, was zu großen Gefühlsausbrüchen führt. Aber die bei Erwachsenen leider so präsenten Sorgen und Grübeln über die Zukunft im Sinne von „könnte ich doch nur“ kennt sie noch nicht. 

Zu ihrem Leben im Hier und Jetzt gehört auch, dass sie völlig in eine Tätigkeit versunken sein kann und sich dann kaum davon ablenken lässt. Dabei geht es ihr oft gar nicht so sehr um das Ergebnis, also z.B. den fertig gebauten Turm oder den gebackenen Sandkuchen, sondern um das Bauen bzw. das Backen selbst. Dementsprechend macht es ihr auch nicht wirklich etwas aus, den Turm oder den Sandkuchen danach wieder kaputt zu machen. Das heißt natürlich noch lange nicht, dass andere das Kaputtmachen übernehmen dürfen, oder dass sie nicht wütend wird, wenn es nicht so klappt, wie sie sich das vorstellt. Aber das ist ein anderes Thema – im Prinzip hat sie hat Spaß an der Tätigkeit selbst, und macht sich keine Sorgen darüber, den Turm später nicht wieder so aufbauen zu können.

Phantasie  

Im hier und jetzt, bei sich, voller Phantasie: Was ich von meinem Kleinkind lernen kann
Für mich ist es immer noch und immer wieder total faszinierend, meine Tochter im freien Spiel zu beobachten. Nicht nur, weil sie oft völlig versunken in ihrer Tätigkeit ist, sondern auch, wie sie ihre reale Welt in der Phantasie nachspielt. Ein Stock wird zum Handy, Gras zu Nudeln, ein Stein zum Fotoapparat, und aus Knete kann man ja sowieso alles machen. Und besonders süß finde ich natürlich, wie sie ihre Kuscheltiere stillt, wickelt, im Tragetuch trägt und ins Bett bringt…

Auch bei ihren sagen wir mal eher abstrakten Bildern zeigt unsere Tochter große Kreativität. Zum Beispiel sagt sie, dass sie jetzt einen Hasen malen möchte, bringt ein kreisartiges Gebilde aufs Papier, dann zack noch zwei Striche rein, und schon ist es ein Flugzeug… Die fehlende Ähnlichkeit zu den realen Vorlagen stört sie dabei nicht im Geringsten. Für mich ist das übrigens nicht nur beeindruckend zu sehen, sondern auch äußerst praktisch, denn sie erkennt auch meine ungelenken Zeichnungen bis jetzt immer klaglos als das an, wofür ich es ausgebe 😉

Bei sich 

Ganz im Gegensatz zu mir kennt meine Tochter noch keine (Selbst-)Zweifel durch den Vergleich mit anderen. Sie sieht natürlich, dass andere anders sind als sie und auch Dinge besser können, aber das scheint sie bisher nicht zu stören.

Wenn z.B. beim Eltern-Kind-Turnen ihre Freundin alleine vom Kasten auf die Matte springt, lässt sie sich dadurch nicht beirren und springt glücklich an meiner Hand herunter. Und wenn sie mit ihren Freunden herumtobt und diese deutlich schneller rennen können als sie, ist ihre Freude am Spiel davon überhaupt nicht getrübt – während bei mir natürlich sofort der Eltern-Sorgen-Modus anspringt: Ist sie zu ängstlich / motorisch ungeschickt? Sollte ich das mehr mit ihr üben? Oder braucht sie vielleicht neue Schuhe?

Im hier und jetzt, bei sich, voller Phantasie: Was ich von meinem Kleinkind lernen kannBei Gegenständen dagegen sieht das ganz anders aus. Da vergleicht sie durchaus und will sehr gerne die Sachen haben, die anderen gehören oder mit denen andere gerade spielen – Wutanfall lässt grüßen. Aber das sind eben nur Gegenstände, ihr Selbstbewusstsein ist davon unangetastet.

Auch wenn sie etwas – unabhängig von anderen Kindern – nicht kann oder in dem Moment nicht hinbekommt (z.B. ein etwas dickeres Papier zerschneiden oder ein relativ enges T-Shirt anziehen), macht sie das zwar manchmal (sehr!) traurig und wütend. Das liegt dann aber eher daran, dass es nicht so läuft, wie sie sich das vorstellt, denn wenn sie allgemein bessere Laune hat, macht ihr so etwas auch gar nichts aus. Dann bringt sie mal locker mein Herz zum Schmelzen mit Sätzen wie „Kanntu bitte helfen, ich kann das (noch) gar nists.“ Und beim nächsten Mal geht sie wieder voll motiviert an die Sache heran, während ich innerlich schon vor dem nächsten Wutanfall zittere 😉.


Wie ist das mit euren (Klein-)Kindern? Findet ihr sie auch so toll und faszinierend? Was bewundert ihr besonders an ihnen? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

Gefällt dir dieser Beitrag? Vielleicht magst du ja auch noch ein bisschen hier bei Meine Eltern-Zeit stöbern, z.B. im Archiv oder bei meinen anderen Beiträgen zum Thema Entwicklung und Erziehung.

Außerdem freue ich mich natürlich riesig über Kommentare, Likes oder das Teilen auf Pinterest, Facebook, Instagram oder Twitter 😊.

Kommentare:

  1. Was für ein schöner Beitrag <3
    Vielen Dank fürs Mitmachen bei unserer Blogparade!
    Liebe Grüße
    Marina von ideas4parents

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Marina,
      vielen Dank für den lieben Kommentar und eure schöne Blogparade! Es hat Spaß gemacht, meinen Beitrag zu schreiben und die anderen zu lesen!
      Liebe Grüße
      Anne

      Löschen
  2. wunderschön geschrieben !

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank, für deinen lieben Kommentar, da freue ich mich sehr :-)!!

      Löschen

Hinterlasse gerne einen Kommentar und teile deine Geschichten, Ideen und Erfahrungen.
Mit dem Abschicken deines Kommentars (geht übrigens natürlich auch anonym) akzeptierst du die Datenschutzbedingungen und erklärst dich damit einverstanden, dass deine Daten entsprechend der Datenschutzbestimmungen der DSGVO gespeichert und weiterverarbeitet werden (z.B. bei Verlosungen).