Donnerstag, 11. Mai 2017

Treffpunkt Spielplatz. Oder: Wie ich wider Erwarten zum Spielplatzfan wurde



Für so manch einen der reinste Albtraum, für einige ein notwendiges Übel, andere gehen tatsächlich gerne auf den Spielplatz - und letzendlich werden wahrscheinlich so ziemlich alle Kleinkind-Eltern früher oder später mal auf irgendeinem Spielplatz landen. Bei der Blogparade der lieben Lara von Dreamingtoday könnt ihr verschiedene dieser Spielplatzgängertypen kennen lernen. In diesem Artikel verrate ich, warum ich trotz kleinerer Widrigkeiten wie Sandessen bzw. -werfen, Klettergerüstkamikaze und Förmchenklau von der Skeptikerin zum Spielplatzfan wurde. Außerdem gibt es einige Tipps und Erfahrungen, wie der Spielplatzbesuch mit Kleinkind für die Eltern von der lästigen Pflichtübung zum netten Klöntreff werde kann 😉.


Warum auf den Spielplatz gehen?

So verschieden Eltern und Kinder sind, so unterschiedlich sind natürlich auch ihre Gründe, auf den Spielplatz zu gehen. Bei mir und den vielen lieben (und etwas weniger lieben) Menschen, die ich während meiner mittlerweile 2-jährigen Spielplatzkarriere kennen lernen durfte, konnte ich die folgenden Gründe beobachten:

1. Gleichgesinnte kennen lernen

Spielplätze bieten die Möglichkeit, Menschen mit ihren Kindern unverbindlich kennen zu lernen und sich auszutauschen. Hierfür sind sie meiner Erfahrung nach wesentlich geeigneter als andere öffentliche Orte und selbst die meisten Eltern-Kind-Kurse.

Denn im Gegensatz zu festen Gruppen, z.B. bei Eltern-Kind-Kursen, gibt es auf - gut besuchten - Spielplätzen einen großen Pool an Eltern und Kindern. Man muss nicht mit jedem ins Gespräch kommen, aber wenn die Eltern einander sympathisch sind und die Kinder ähnliche Spielinteressen haben, entsteht der Kontakt quasi automatisch. 

An vielen anderen Öffentlichen Orten, wo  viele Eltern und Kinder zusammen kommen (z.B. Familiencafés, Indoorspielplätze, Zoos, Schwimmbäder etc.) bleiben die Familien oder Freunde meist unter sich in ihren bestehenden Gruppen. Das hängt natürlich auch immer von einem selber und dem Kind ab, aber ich bin relativ schüchtern und bin an solchen Orten noch nie wirklich mit jemandem ins Gespräch gekommen - auf dem Spielplatz dagegen regelmäßig. 

2. Bekannte treffen 

Spielplatz-Besuch mit Kleinkind: Die besten TippsGerade auf Spielplätzen in kinderreichen Gegenden sind die Spielplätze vor allem an schönen Tagen Treffpunkte für die gesamte Nachbarschaft. Vor allem, wenn man oft auf den selben Spielplatz geht, trifft man dort immer irgendwelche Bekannte. Natürlich kann man sich auch explizit mit Freunden und Bekannten auf dem Spielplatz verabreden. Gerade zu mehreren ist so ein Treffen oft entspannter als zu Hause. Besonders schön finde ich an solchen Spielplatzverabredungen - gerade auch jetzt mit zwei Kindern - die Flexibilität: Jeder kommt und geht, wann er mag, die Kinder müssen nicht unbedingt zusammen spielen, wenn sie nicht mögen, und am Ende ist nicht die gesamte Wohnung verwüstet - nur sandig, wenn man nicht rechtzeitig die Schuhe ausleert ;-)

3. Kind beschäftigen 

Ich weiß nicht genau, woran es liegt, aber unsere Tochter kann sich selbst auf menschenleeren, winzig kleinen Spielplätzen oft deutlich besser beschäftigen als in unserer Wohnung oder in unserem Garten. Und - hier geht das pädagogisch interessierte Elternherz auf - sie ist nicht nur beschäftigt, sondern sogar sinnvoll beschäftigt: Ein geeigneter Spielplatz bietet Kindern eine Auswahl zwischen vielfältigen Aktivitäten, wodurch verschiedene Sinne und Fähigkeiten angesprochen werden. Je nach Laune kann das Kind sein eigenes Spiel und ggf. geeignete Spielpartner finden. Durch das Zusammensein Kinder verschiedener Altersgruppen werden zudem automatisch die sozialen Kompetenzen geschult. 

4. Frische Luft & Bewegung

Wir alle wissen ja schon von unserer Oma und sämtlichen Frauen- bzw. Gesundheitszeitschriften, dass Bewegung an der frischen Luft gut tut. Bei Tageslicht und idealerweise Sonne wird das lebenswichtige Vitamin D gebildet. Die Viren und Bakterien unserer dauerverschnieften Lieblinge breiten sich nicht so schnell aus, wie in engen, schlecht durchlüfteten Räumen. Und das Wichtigste,: Die lieben Kleinen werden schneller müde - und mal ehrlich, die Aussicht auf eine lange, ruhige Nacht ist doch das bisschen Socializen und Zehen-Abfrieren Wert, oder?

Unsere Spielplatzkarriere

Spielplatz-Besuch mit Kleinkind: Die besten TippsBei unserem ersten Spielplatzbesuch standen wir erstmal ziemlich dumm herum. Unsere Tochter war gerade 10 Monate alt. Der Spielplatz in unserer Nähe war mir von einer Freundin als besonders schön und kleinkindgerecht empfohlen worden, und an einem sonnigen Maisonntag zogen wir los. Wir setzten unsere Maus in den Sandkasten - sie fing an, Sand zu essen. Ab auf die Wippe - sie hing ziemlich unmotiviert in den Seilen. Was nun? Als sie - immer noch ziemlich skeptisch - in der Schaukel hing saß, kamen wir mit einer  Mama mit einer etwa gleichaltrigen Tochter ins Gespräch. Und damit startete unsere steile Spielplatzkarriere 😉.

Wir kamen von nun an regelmäßig auf diesen Spielplatz, lernten nach und nach immer mehr Eltern mit gleichaltrigen Kindern kennen und wurden Teil der Spielplatzroutinen:

  • angeregte Diskussionen über Entwicklungsschritte, Babykurse, Kinderkrankheiten und - unvermeidlich - Kinderkacka,
  • Austausch mitgebrachter Gurken, Äpfel, Dinkelcrackern und Maiswaffeln für die Kinder und Schokolade für die Eltern,
  • mehr oder weniger erfolgreiche Versuche, den eigenen Nachwuchs von Sandessen bzw. -werfen, Klettergerüstkamikaze, Förmchendiebstahl  und allzu unverschämtem Snack-Erbetteln abzuhalten.

Natürlich kam es auch immer mal wieder zu unschöneren Vorfällen wie Schubsen von anderen Kindern oder Spielzeugzickereien von anderen (meist Groß-)Eltern. Meiner Erfahrung nach sind aber die meisten Eltern, die sich auf unseren Stammspielplätzen herumtreiben, ganz friedlich, freundlich und bemüht, ihre Kinder zu entsprechendem Verhalten anzuleiten - und allen anderen gehe ich einfach unauffällig aus dem Weg.

In letzter Zeit haben sich unsere Spielplatzbesuche durch Winterwetter, Schwangerschaft und die Geburt des Babysohnes deutlich reduziert. Aber einige der ursprünglichen Spielplatzbekanntschaften sind mittlerweile zu echten Freunden geworden, mit denen wir uns auch für Playdates, Ausflüge und andere Unternehmungen treffen. Und auch nach längerer Zeit freue ich mich immer, wieder auf einen meiner Lieblingsspielplätze zu kommen und dort alte Bekannte wiederzutreffen.

Tipps & Tricks für den Spielplatzbesuch mit Kleinkindern

So wird der Spielplatz-Besuch zum netten Klön-Treff
Wenn ich die anderen Spielplatzberichte zur Blogparade so lese, habe ich großes Glück, dass die Frankfurter Spielplatzszene so vielfältig, friedlich und freundlich ist. Unter diesen günstigen Bedingungen bedarf es nur noch ein paar kleiner Tricks und Kniffe, damit der Spielplatzbesuch zum Erfolg wird:


1. Den richtigen Spielplatz finden


Der Spielplatz sollte passen zum Alter und den Vorlieben des Kindes. Wenn das Kind z.B. nicht gerne schaukelt, bringen auch die tollsten Babyschaukeln nichts, und wenn das Kind gerne rutscht, sollten eben auch Rutschmöglichkeiten vorhanden sein. Eine gewisse Auswahl ist in jedem Fall sinnvoll, da sich die Vorlieben des Kindes schnell und auch je nach Tagesform ändern können. 

Auch den Eltern sollte der Spielplatz natürlich gefallen - wer Angst vor Höhen hat, ist mit hohen, offenen Klettergerüsten meist schlecht beraten, und die eine ohne andere gemütliche Bank kann sicherlich nie schaden ;-)  Für netten Austausch unter den Eltern ist es zudem hilfreich, wenn das Publikum in etwa zu einem passt - die Ökomutti  wird sich kaum inmitten von stylischen Businessmoms wohlfühlen und umgekehrt.

Uns gefällt es zudem, wenn der Spielplatz gut besucht, aber nicht zu überlaufen und bei verschiedenen Wetterlagen nutzbar ist. Schutz vor strömendem Regen kann man natürlich von einem Außenspielplatz nicht erwarten, aber etwas Windschutz und die Möglichkeit, in den Schatten zu gehen oder einen leichten Schauer abzuwarten finde ich schon sinnvoll.

2. Regelmäßig auf den selben Spielplatz gehen

Hat man einmal einen passenden Spielplatz gefunden, ist es meiner Erfahrung nach sinnvoll, dort einigermaßen regelmäßig hinzugehen. Das gibt gerade kleineren Kindern eine gewisse Sicherheit, und soziale Kontakte knüpfen sich leichter. Will man natürlich lieber für sich bleiben (z.B. nach einem anstrengenden Arbeitstag oder wenn man mit Freunden für persönlichere Gespräche verabredet ist), ist der Stammspielplatz sicher nicht die geeignete Anlaufstelle.

3. Die richtige Kleidung & Ausrüstung

Bei der Wahl der richtigen Kleidung ist zu bedenken, dass sie dem Kind einerseits viel Bewegungsfreiheit zum Klettern, im Sand Sitzen, Rennen und Balancieren ermöglichen sollte. Gerade in den kühleren Jahreszeiten ist selbst  bei eigentlich trockenem Wetter der Sand oft feucht, sodass wasserabweisende Hosen und Schuhe sinnvoll sind. Allerdings tendieren viele Eltern - ich eingeschlossen - dazu, ihr Kind zu warm anzuziehen. Denn während die relativ ruhig herumstehenden oder -sitzenden Eltern auf dem Spielplatz schnell frieren, sind die Kinder ja meist wesentlich aktiver.

Neben passender Kleidung und den obligatorischen Snacks habe ich persönlich auch gerne ein paar Sandspielsachen dabei. Auf unseren Stammspielplätzen ist es eigentlich immer so, dass die Kinder Spielsachen, die gerade nicht in Gebrauch sind, auch benutzen können. Falls aber doch mal keine oder nur wenig teilfreudige Sandsachenbesitzer da sind, ist es gut, etwas Eigenes dabei zu haben. Außerdem können so die Kinder untereinander tauschen und das Teilen lernen - zumindest theoretisch ;-) Das mit dem Teilen klappt übrigens bei meiner Tochter etwas besser, wenn wir relativ wenige Sachen, aber dafür jeweils in zweifacher Ausfertigung, dabeihaben und die besonders tollen Teile (z.B. Bagger, Teile vom Puppengeschirr o.Ä.) zu Hause lassen 😉.

Um allzu häufige Verluste zu vermeiden, beschrifte ich unsere Sandspielsachen und sammle sie ein, wenn ich merke, dass meine Tochter sich nun in einer anderen Ecke des Spielplatzes aufhalten möchte. Dass dennoch immer mal wieder etwas verschwindet - sei es durch Einbuddeln, Verwechslung oder vorsätzliches Mitnehmen - sehe ich relativ entspannt. Sooo teuer sind die Sachen ja meist nicht, und Spielplatz ist schließlich insgesamt deutlich billiger als viele andere Freizeitangebote für Kleinkinder.

4. Genug Zeit mitbringen

Spielplatz-Besuch mit Kleinkind: Die besten TippsDie meisten Wutanfälle beobachte ich auf dem Spielplatz, wenn die Eltern gerne nach Hause gehen möchten, das Kind aber noch nicht. Das liegt sicher zum einen daran, dass die Kinder dann schon relativ müde und damit anfälliger für Autonomieattacken sind. Vor allem, wenn sie völlig in ihr Spiel vertieft sind, haben sie zudem  oft wenig Verständnis für elterliche Argumente wie Abendbrot oder kalte Füße. Ein anderer Grund ist, dass es kleinen Kindern oft schwer fällt, von einer Aktivität bzw. Phase im Tagesablauf in die nächste zu wechseln. Das sieht man z.B. sehr deutlich bei meiner Tochter: Wenn wir auf dem Spielplatz ankommen, möchte sie manchmal noch einige Minuten im Buggy sitzen oder steht einfach nur da und beobachtet das bunte Treiben, bevor sie dann selbst anfängt zu spielen. Und das Losgehen klappt am besten, wenn ich es mehrmals vorher ankündige und eine weniger intensive Spielphase abwarte. Ein kurzer Spielplatzbesuch unter Zeitdruck ist also für alle Beteiligten meist wenig entspannt.



Was sind Eure Erfahrungen mit Spielplätzen? Habt ihr weitere must haves und must do's für Spielplatzneulinge?



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