Dienstag, 23. Mai 2017

Arbeiten von zu Hause mit Baby und Kleinkind: Unsere Erfahrungen zum #ElternHomeoffice


Eltern-Homeoffice mit kleinen Kindern?!
Seit der Geburt unserer Tochter vor fast drei Jahren haben mein Mann und ich verschiedene Erfahrungen mit dem  - teils frei- und teils hauptberuflichen - Arbeiten von zu Hause aus sammeln dürfen. So flexibel und familienfreundlich Begriffe wie Arbeiten von zu Hause, Homeoffice oder Telearbeit auf den ersten Blick klingen, von Milchkaffe (natürlich aus sauberen Tassen) Schlürfen, während man gleichzeitig konzentriert am Laptop arbeitet und die Kinder daneben friedlich malen, ist das Ganze bei uns Lichtjahre entfernt... Da es so  oder ähnlich anscheinend auch vielen anderen geht, hat Melanie auf ihrem Blog Glücklichsscheitern zur Blogparade „Homeoffice– ja wann eigentlich?“ aufgerufen, an der ich mich mit diesem Beitrag gerne beteilige. Dabei erzähle ich euch erst einmal von unseren Erfahrungen mit dem Homeoffice während der Elternzeit und den Vor- und Nachteilen, die wir für uns festgetellt haben, und am Schluss gibt es noch ein paar Tipps für das (halbwegs 😉) entspannte und produktive Arbeiten von zu Hause mit kleinen Kindern.


Unsere Homeoffice-Erfahrungen

Bei uns gab bzw. gibt es Arbeiten von zu Hause bisher in drei verschiedenen Konstellationen:
  • Während meiner beiden Elternzeiten (im ersten Lebensjahr meiner Tochter und auch jetzt wieder im ersten Babyjahr mit meinem Sohn) bin ich nebenbei freiberuflich tätig. Richtig viel schaffen tue ich dabei nicht, verdienen noch weniger, aber die Tätigkeit macht mir Spaß, ich bleibe inhaltlich etwas an meinem Job dran und lerne viel dazu - für mich eine schöne Abwechslung zu Windelwechseln, Hausarbeit und Kinderbespaßung.
  • Zwischen der ersten Elternzeit und der Geburt meines Sohnes habe ich 1 1/2 Jahre mit 70% gearbeitet und konnte einen Teil dieser Arbeit von zu Hause aus erledigen. Da ich meinen Job sehr mag, bin ich trotz Kinderkrankheiten, Kitakatastrophen und Schwangerschaftsübelkeit gerne wieder arbeiten gegangen.
  • Mein Mann arbeitet seit einigen Monaten zwei Tage pro Woche in Telearbeit von zu Hause aus. Da er Vollzeit arbeitet und seine Arbeit weniger Kreativität , längere Arbeitsphasen am Stück und mehr Konzentration erfordert als meine, ist das definitiv noch mal eine andere Nummer, als meine bisherigen Homeoffice-Erfahrungen, und wir sind da noch etwas in der Findungsphase...
Insgesamt haben wir sehr positive Erfahrungen mit dem Arbeiten von zu Hause gemacht, aber wie so oft mit kleinen Kindern ist auch hier viel Flexibilität und Kreativität gefragt, um den verschiedenen und sich ständig ändernden Bedürfnissen aller Familienmitglieder einigermaßen gerecht zu werden.

Vorteile vom Eltern-Homeoffice

Laptop mit Herzen
Für uns hat das Arbeiten von zu Hause aus viele Vorteile  - und zwar nicht nur, um mehr Zeit für die Kinder zu haben, sondern auch für die Qualität unserer Arbeit:
  • Kein Stress und Zeitverlust durch Pendeln, Staus, Hemden / Blusen bügeln und was sonst noch so dazu gehört, morgens halbwegs pünktlich, sauber, knitter- und fleckenfrei zur Arbeit zu kommen.
  • Durch die flexible Zeiteinteilung kann man relativ gut auf die Bedürfnisse und Rhythmen der Kinder eingehen. Das ist nicht nur gut für die Kinder, sondern trägt auch zur Entspannung und damit letztlich zur Produktivität der Eltern bei.
  • Auch die eigenen Arbeitsrythmen können gezielter genutzt werden, und reines Absitzen der vorgeschriebenen Arbeitszeit im Büro wird vermieden. Zudem sind die üblichen Bürozeiten für manche Arbeiten einfach nicht sinnvoll. So arbeitet mein Mann z.B. viel mit Kollegen in den USA zusammen. Die Kommunikation dafür findet meist am Abend statt, da es in den USA ja zu unseren üblichen Bürozeiten noch Nacht ist.
  • Gerade im kreativen Bereich sind viele Tätigkeiten nicht an festgelegte Zeiten gebunden. So haben einige Menschen ja bekanntermaßen die besten Ideen unter der Dusche - bei mir ist das durchaus auch mal beim Eisenbahn-Spielen oder auf dem Spielplatz der Fall.
Sowohl für die Eltern, die Kinder und auch für die Arbeitgeber hat das Arbeiten von zu Hause also viele Vorteile, und wir sind sehr dankbar, dass wir diese Möglichkeiten haben! Allerdings ist das Homeoffice sicher nicht für jedermann/-frau/-elter bzw. für jeden Job geeignet, und auch bei uns läuft es damit längst nicht immer perfekt.


Nachteile vom Eltern-Homeoffice

Ablenkung:

  • Direkte Ablenkung durch die Kinder: Sich selbst Beschäftigen war für meine Tochter bis vor wenigen Monaten überhaupt nicht möglich, lange bzw. leise Selbstbeschäftigung sind immer noch ein Ding der Unmöglichkeit. Konzentriertes Arbeiten bzw. ungestörtes Telefonieren ist also in ihrem Beisein einfach nicht drin. Und obwohl der Babysohn zum Glück deutlich pflegeleichter ist alsseine Schwester im selben Alter, sind feste Rythmen und Schlafen im Bettchen nun auch nicht gerade seine Stärken.
  • Indirekte Ablenkung durch die Kinder: Wer nicht gerade ein schalldichtes und verriegelbares Verlies zum Arbeiten zu Hause hat (oder sich permanent leise selbst beschäftigende Superkinder, s.o.), wird vermutlich früher oder später durch Außengeräusche wie brüllende Kinder, dudelnde Hörspiele oder umfallende Gegenstände abgelenkt - oder auch durch das Gegenteil, denn zu große Ruhe der Kinder bedeutet ja meist auch nichts Gutes...
  • Ablenkung durch den Haushalt: So sehr ich mich auch bemühe, anfallende Hausarbeit hinten an zu stellen, die Versuchung ist einfach zu groß "nur noch ganz kurz" eine Wäsche bzw. Spülmaschine anzustellen, zumindest den Weg zum bzw. den Schreibtisch selbst notdürftig freizuräumen  etc. Und wenn ich erst einmal irgendwo anfange, tut sich eine Chaosquelle neben bzw. unter der anderen auf.
  • Sonstige Ablenkungen: Telefon, Bücher, Fernseher, das einladend da liegende Sportzeug oder der klingelnde Paketbote, ganz zu schweigen vom Paketinhalt - die Liste der möglichen Ablenkungen für zu Hause Arbeitende lässt sich vermutlich unendlich erweitern. Allerdings muss man fairerweise sagen, dass ja Ablenkungen, z.B. durch Internet, Kollegentratsch oder kaputte Kaffeemaschinen, auch bei regulären Arbeiten vorkommen.

Vermischung von Arbeit und Privatleben

Kleinkind mit Laptop und Teddy
Die große Flexibilität der Arbeit von zu Hause ist zumindest für uns auch deren größter Nachteil. Denn während manche Arbeitnehmer mit dem Verlassen ihres Arbeitsplatzes den Job auch im übertragenen Sinne hinter  sich lassen, sitzen wir oft noch spätabends oder am Wochenende am Schreibtisch. Und wenn mir tatsächlich mal gute Ideen auf dem Spielplatz oder beim Eisenbahnspielen kommen,  klingt das zwar auf den ersten Blick lustig und kreativ. Es bedeutet aber auch, dass ich wohl doch in dem Moment in Gedanken nicht ganz bei meinem Kind, sondern zumindest unbewusst auch bei der Arbeit war. Außerdem möchte ich meine tolle Idee dann ja auch möglichst gleich festhalten, um sie nicht zu vergessen. Also am besten das Spiel verlassen und den Laptop oder das Handy rausholen, oder zumindest einen zerknitterten Zettel, den ich hoffentlich irgendwann noch wiederfinden bzw. entziffern kann.

Isolation

Auch wenn das nett Zurechtmachen, der Arbeitsweg und das Herumschlagen mit nervigen Vorgesetzten, Kollegen und Kunden oft mühsam sind, bieten sie doch eine gewisse Struktur und Abwechslung. Diesen Faktor habe eigentlich erst meiner nicht ganz einfachen ersten Elternzeit  zu schätzen gelernt. Homeoffice ist naturgemäß relativ einsam, und da meine sozialen Kontakte ohnehin schon reduziert bzw. auf andere Eltern beschränkt waren, fehlten mir meine lieben - und sogar ein bisschen die weniger lieben - Kollegen. Natürlich sind die Arbeitsroutinen und -kontakte oft sehr oberflächlicher Natur, und auch und gerade das Homeoffice ermöglicht ein erfülltes Sozialleben. Bei mir persönlich war es nur so, dass ich den Faktor Isolation im Vorfeld unterschätzt hatte und mich erst an das Arbeiten ohne direkten Kontakt zu den Kollegen gewöhnen musste.

Unrealistische Erwartungen

Ich bin so jemand, der eigentlich mindestens rund um die Uhr arbeiten müsset, um alles das zu schaffen, was ich gerne machen würde. Es gibt so viele Ideen und Projekte, daneben auch noch Freunde, Freizeit und das bisschen Haushalt... Bei meiner Arbeitsstelle gibt es natürlich auch immer viel zu tun, aber da kann ich irgendwie besser einschätzen, wozu ich während der Zeit dort komme und eben nicht komme. Zu Hause dagegen kalkuliere ich bei meiner Arbeitszeitrechnung oft völlig unrealistisch, bzw. gehe von ungestörter, reiner Arbeitszeit aus - und da sind wir wieder beim Thema Ablenkungen.

Diese unrealistischen Erwartungen habe zudem nicht nur ich. Die immer wieder beliebte Frage "Und, was machst du jetzt so den ganzen Tag zu Hause?" kann man ja noch ganz gut ignorieren, wenn sie von anderen kommt. Aber auch für der nicht zu Hause arbeitende Partner hat öfter mal Gedanken à la "Wenn du schon zu Hause bist, könntest du doch noch schnell mal xyz machen".  Und dass, obwohl wir ja beide Homeoffice-Erfahrungen haben und es eigentlich besser wissen müssten...

Tipps und Tricks für das Eltern-Homeoffice

So klappt es mit dem Eltern-Homeoffic
Das ultimative Rezept für produktives Arbeiten von zu Hause wird es leider an dieser Stelle nicht geben. Auch nach mehreren Jahren und verschiedenen Homeoffice-Variationen sind wir hier noch in der Ausprobier- und Findungsphase. Je nach aktuellem Entwicklungsstand der Kinder, der eigenen Verfassung und den Erfordernissen der jeweiligen Arbeitsaufträge klappt es mal besser, mal schlechter. Einige Maßnahmen helfen uns aber ganz gut, unser Arbeiten von zu Hause entspannter und produktiver zu gestalten: 

1. Organisation

Um die wenige zur Verfügung stehende Zeit effizient zu nutzen und sich nicht zu verzetteln, ist eine gute Arbeitsorganisation notwendig. Mir hilft es dafür, die anfallenden Arbeiten nach Wichtigkeit, Dringlichkeit und Kinderkompatibilität zu sortieren. Denn nicht jede Tätigkeit ist wirklich wichtig, nur, weil sie an eine nahende Deadline gebunden ist. Und einiges kann man im Beisein der Kinder erledigen, während andere Arbeiten schneller und besser ungestört erledigt werden.

2. Transparenz

Eigentlich wollte ich diesen Punkt „Trennung von Arbeit und Privatem“ nennen, aber das funktioniert bei uns ehrlich gesagt nicht. Und ich bin mir auch gar nicht so sicher, ob das überhaupt so erstrebenswert ist. Denn wie gesagt, habe ich manchmal kreative Arbeitsideen, während ich mich mit den Kindern beschäftige. Und für die Kinder ist es ja vielleicht auch gar nicht schlecht, wenn sie im Alltag zu Hause erleben, dass das Arbeiten eben zum Leben der Eltern gehört und ihnen idealerweise auch ein bisschen Spaß macht. Statt die Arbeit und das Familienleben also konsequent zu trennen, versuchen wir lieber, klar zu kommunizieren, was wir machen und wie lange das in etwa dauern wird.

3. Platz

Obwohl mein Mann und ich für die allermeisten unserer Arbeiten theoretisch nur einen Computer und eine Sitzgelegenheit bräuchten, hat sich unsere Arbeitssituation zu Hause doch merklich entspannt, seit wir in unsere neuen Wohnung ein separates Arbeitszimmer haben. Denn irgendwie ist es doch schön, die analogen Arbeitsmaterialien ein bisschen auszubreiten und evtl.  benötigte Unterlagen und Materialien schnell griffbereit zu haben. Noch schöner wäre es natürlich, einen eigenen Schreibtisch in einem abschließbaren, schallisolierten Raum zu haben, anstatt die Sachen des Partners notdürftig beiseite zu schieben, und sämtliche Hintergrundgeräusche auszublenden – aber da sind wir dann schon beim nächsten Punkt 😉:

4. Flexibilität

Kleinkind im BüroWie eigentlich immer im Leben mit Kindern ist auch in Punkto Homeoffice eine ordentliche Portion Flexibilität gefragt. Wenn eines der Kinder gerade aus irgendwelchen Gründen meine Aufmerksamkeit einfordert, ist es einfach deutlich zeit- und nervenschonender, die Arbeit erst einmal aufzuschieben. Auch wenn die Deadline unter den Nägeln brennt - schon wenig später kann die Situation wieder ganz anders aussehen, und es tut sich eine Gelegenheit zur produktiven Arbeit auf. Ähnliches gilt natürlich auch bei längeren Arbeitspausen, z.B. durch Krankheiten etc.. 
Flexibilität ist nicht nur hilfreich in Punkto Arbeitszeit. Auch beim Arbeitsort und -material können manchmal kleine Änderungen zu einer größeren Produktivität verhelfen: Zum Beipiel meckert meine Tochter manchmal, wenn ich etwas am Computer tippe, ist dann aber zufrieden, wenn wir ihr auch einen Computer basteln. Oder ich darf dann ganz analog etwas aufschreiben, während sie daneben malt. Statt ins Arbeitszimmer setzte ich mich manchmal mit dem Laptop in den Garten oder auch neben die Badewanne.

Und last but not least muss ich eben manchmal die Arbeit aufschieben oder reduzieren, auch wenn es schwer fällt. Denn das ist ja letztlich der Grund, warum ich mich überhaupt für Teilzeit, Freiberuf und Arbeiten von zu Hause entschieden habe: Vor allem jetzt, wo meine Kinder noch so klein sind, möchte ich die Zeit mit ihnen genießen. Dazu gehört für mich, zu einem gewissen Grade meiner Arbeit nachzugehen, die mir Spaß macht und uns auch eine relative finanzielle Unbeschwert ermöglicht – aber die Familie geht einfach vor.


Wie macht ihr das mit dem Homeoffice und euren (kleinen) Kindern? Habt ihr auch kleine Tricks, damit ihr zu Hause mehr zum Arbeiten kommt? Ich freue mich auf eure Kommentare 😊!


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Außerdem freue ich mich natürlich riesig über Kommentare, Likes oder das Teilen auf Pinterest, Facebook, Instagram oder Twitter 😊.

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