Mittwoch, 3. Mai 2017

Elternzeit beantragen, aufteilen, gestalten - kleiner Antrag, große (Aus-)Wirkung


So gelingt der Start in die Elternzeit und BabyzeitIch hasse ja Papierkram. Formulare, Rechnungen und Anträge sind mir ein Graus. Das war schon immer so, hat sich aber durch die Kinder nicht unbedingt gebessert. Zum einen, weil es nochmal deutlich mehr und gefühlt auch komplizierter geworden ist: Für das Formular A braucht man noch die Bescheinigung B, und dafür muss man bei Behörde C anrufen, die (natürlich nach ca. 100 Anrufversuchen und nochmal ebenso vielen Stunden in der Warteschleife) einem aber nur Auskunft erteilt, wenn man Formular A eingereicht hat... ARGHHH! Das Ganze dann noch unterbrochen von Babygeschrei und -bespaßung und als überfoderte Erstlingsmama mit High Need Baby, hat mich dann doch einigermaßen traumatisiert. In diesem Post Artikel erzähle ich, wie ich es trotzdem irgendwie geschafft habe, meine Elternzeit zu beantragen,  und warum wir welche Entscheidungen bezüglich der Elternzeit getroffen haben.


Meine Elternzeit-Erfahrungen

Vor allem meine aus verschiedenen Gründen schwierige erste Elternzeit mit meiner Tochter hat mich in Punkto Papierkram traumatisiert geprägt. Eigentlich hatte ich gedacht, ich hätte alles gut vorbereitet, hatte sogar im Mutterschutz brav sämtliche Formulare ausgedruckt und überflogen. Aber irgendwie hatte ich wohl unterschätzt, dass man für die meisten Anträge noch bestimmte Dokumente einreichen muss, die sich teilweise gegenseitig bedingen - ohne Geburtsurkunde keine Krankenkassenbescheinigung, ohne Krankenkassenbescheinigung kein Elterngeld, usw.. Unter Einfluss von Hormonen, Stilldemenz und Schlafmangel und mit meiner viel schreienden und wenig schlafenden Tochter im Arm war ich mit den erforderlichen Formularen und Telefonaten ziemlich überfordert.

Aber Mama ist ja lernfähig - beim zweiten Kind wollte ich alles besser machen! Bereits im Mutterschutz füllte ich aus, las mich ein, telefonierte herum... Und ob ihrs glaubt oder nicht, ich habe immer noch meinen Antrag auf Elterngeld nicht abgeschickt, weil ich noch auf die Bescheinigung der Krankenkasse warte, weil... *ARGHHH*! 

Immerhin die Elternzeit ist mittlerweile erfolgreich beantragt. Das Formular dafür ist aber auch vergleichsweise kurz und einfach, und alles, was man zusätzlich einreichen muss, ist die Geburtsurkunde 😊. Dennoch sollte man das Ganze nicht einfach nebenbei machen, weil man damit den Grundstein für die gesamte Elternzeit legt, sondern sich in Ruhe die folgenden Fragen stellen:
  • In welchem Zeitraum möchte ich meine Elternzeit nehmen?
  • (Wie) Wollen wir die Elternzeit zwischen den Eltern aufteilen?
  • Wie flexibel möchte ich bei der Entscheidung sein bzw. bleiben?
  • Was ist (mir) sonst noch wichtig, bzw. worauf muss ich achten?

In welchem Zeitraum möchte ich meine Elternzeit nehmen?

Für jedes Kind haben die Eltern Anspruch auf drei Jahre Elternzeit. Darunter ist im Prinzip alles möglich, und man kann die Elternzeit auch auf mehrere Zeiträume aufteilen. Bei unserer Tochter war ich ersten 24 Monate in Elternzeit, mein Mann vom 10. bis zum 14. Lebensmonat. Ausschlaggebend für unsere Entscheidung waren damals die folgenden Punkte:

  • Im Jahr vor der Geburt unserer Tochter hatte ich mehr verdient als mein  Mann, danach würde er durch den Jobwechsel mehr verdienen. Deshalb war es für uns sinnvoll, dass ich länger Elterngeld bezog als mein Mann und dementsprechend länger in Elternzeit ging.
  • Da ich aus gesundheitlichen Gründen möglichst voll und möglichst lange stillen wollte, bot es sich für mich an, im ersten Lebensjahr meiner Tochter nicht zu arbeiten.
  • Länger als ein Jahr wollte ich dann doch nicht zu Hause bleiben, weil ich meinen Job sehr mag und es zudem ohne zweites Einkommen finanziell etwas eng würde.
  • Den ganzen Tag Kita konnten wir uns für unsere Tochter nicht vorstellen - also Wiedereinstieg in Teilzeit für mich.

Laptop mit Kalender und BlumenSo kam es dann auch, allerdings etwas anders als zunächst gedacht: Bedingt durch unseren Umzug  in eine andere Stadt kurz vor der Geburt hatte ich im Anschluss an die Elternzeit noch keine neue Festanstellung, sondern nur die Aussicht auf eine befristetet Stelle hatte. Die Teilzeit während der Elternzeit von bis zu 30 Wochenstunden kann man aber laut Gesetzgeber auch bei einem anderen Arbeitgeber machen. Dadurch konnte ich die befristete Stelle annehmen und mir gleichzeitig die Möglichkeit erhalten, nach Ende der Elternzeit zu meiner alten Festanstellung zurückzukehren.

(Wie) Wollen wir die Elternzeit zwischen den Eltern aufteilen?

Die beiden Elternteile können einzeln oder auch gemeinsam in Elternzeit gehen. Wir haben uns bei unserem ersten Kind für eine Mischung entschieden:  Mein Mann nahm vom 10. bis zum 14. Lebensmonat Elternzeit, sodass wir zwei gemeinsame Monate hatten. Besonders hilfreich war für uns auch hier wieder die Möglichkeit der Teilzeit in Elternzeit. Da die Kita-Eingewöhnung ja anfangs nur vormittags ist, konnte mein Mann anfangs mit 60%, später mit 80% "nebenbei" arbeiten. Dafür haben wir uns aus folgenden Gründen entschieden:

  • Um den ersten Geburtstag unser Tochter herum wollten wir die Sommermonate für längere gemeinsame Urlaube nutzen.
  • Da ich wusste, dass mir die Trennung von unserer Tochter schwer fallen würde, sollte mein Mann die Kita-Eingewöhung ab dem 13. Lebensmonat unserer Tochter übernehmen.

Unsere Überlegungen sind im Nachhinein betrachtet ziemlich gut aufgegangen - ich habe unsere Tochter tatsächlich bis über ihren ersten Geburtstag hinaus gestillt, wir hatten einen tollen Urlaub in unserem erste gemeinsamen Sommer, die Eingewöhnung mit dem Papa lief sehr gut und ich bin nach 12 Monaten zu Hause wieder arbeiten gegangen. Das wollen wir beim zweiten Kind also wieder ähnlich handhaben.

Wie flexibel bin ich bei der Entscheidung?

Im ersten Antrag legt man für die ersten zwei Jahre verbindlich die Zeiträume fest, in denen man Elternzeit nehmen möchte. Für das dritte Jahr kann man dann unabhängig davon noch einmal neu entscheiden und hat sogar die Möglichkeit, dieses Jahr erst später zu nehmen, und zwar spätestens bis zum 8. Lebensjahr des Kindes.


Wenn man diese Vorgaben nicht einhält, ist trotzdem eine größere Flexibilität möglich. Allerdings muss dann der Arbeitgeber zustimmen. In meiner ersten Elternzeit war es z.B. so, dass ich zunächst nur ein Jahr beantragt hatte. Diese konnte ich im Anschluss um weitere zwei Jahre verlängern, als ich die Möglichkeit bekam, in Teilzeit während der Elternzeit bei einem anderen Arbeitgeber zu arbeiten. Als ich dann nach dem zweiten Jahr eine neue Festanstellung bekam, durfte ich die Elternzeit bei meinem alten Arbeitgeber doch vorzeitig beenden. 

Ich hatte also Glück mit einem sehr kulanten Arbeitgeber, der meine - immer sehr frühzeitig gestellten - Änderungsanträge genehmigte. Mit der Unterschreitung der 7-Wochen-Antragsfrist habe ich keine Erfahrungen, kann mir aber vorstellen, dass das bei vielen Arbeitsgebern schwerer umzusetzen ist als eine - frühzeitig angekündigte - Änderung der Elternzeitdauer.

So gelingt der entspannte Start in die BabyzeitAch so, der Vollständigkeit halber möchte ich noch erwähnen, dass man aus einer bereits verbindlich beantragten Elternzeit natürlich auch herauskommt, indem man ein weiteres Kind bekommt - mit dem erneuten Mutterschutz endet nämlich automatisch die Elternzeit 😉.

Worauf muss ich sonst noch achten?

Wenn man diese ganzen Grundsatzentscheidungen getroffen hat, muss man "nur" noch den Antrag bzw. die Anträge stellen. Wie oben beschrieben ist das gar nicht so schwierig - zumindest ohne   Hormonchaos , Schlafmangel und Babygeschrei;-) Theoretisch genügt sogar ein selbst aufgesetztes Schreiben, die meisten Arbeitgeber haben allerdings ein eigenes Formular. Damit nichts schiefgeht, sollte man auf die folgenden Stolpersteine achten:


  • Formfehler vermeiden: Der Antrag muss schriftlich erfolgen und persönlich unterschrieben sein. Eine Email oder ein eingescannter Antrag reichen also nicht!
  • Rechtzeitig erkundigen, wo man das Formular herbekommt: Obwohl rein rechtlich gesehen ein formloser Antrag ausreicht, haben einige Arbeitgeber einen eigenen Vordruck. Bei meinem alten Arbeitgeber konnte man diesen aus dem Internet herunterladen. Bei meinem neuen Arbeitgeber wurde er zugeschickt - allerdings in meinem Fall nur auf Nachfrage!
  • Fristen beachten: Die Elternzeit muss in der Regel sieben Wochen vor Beginn beantragt werden. Will die Mutter gleich nach dem Mutterschutz in Elternzeit gehen, muss sie den Antrag also in der ersten Lebenswoche des Kindes stellen. Kommt  das Kind vor dem errechneten Termin, ist die Frist entsprechend länger, weil dann ja der Mutterschutz länger geht. Will der Vater gleich ab Geburt in Elternzeit gehen, kann man zunächst "ab Geburt" eintragen und später den genauen Geburtstermin nachreichen.


Wie sind Eure Erfahrungen mit der Elternzeit? Habt ihr weitere Tipps zur Beantragung?

Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2016): Elterngeld, ElterngeldPlus und Elternzeit. Das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz.
  

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Kommentare:

  1. Nur kurz: für die Elternzeit gibt es kein Formular, das Schreiben kann formlos selbst erstellt werden. Es braucht weder einen Arbeitgeber noch bezahlte Vorlagen aus dem Internet dazu.
    Herzlich, Maria

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    1. Liebe Maria,
      danke für den Kommentar ;-). Mein AG hat eben doch eins, aber ich könnte auch ein formloses Schreiben erstellen. Werde ich entsprechend im Post ändern!
      Liebe Grüße,
      Anne

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